Europa holt im KI-Wettlauf auf – doch kleinere Unternehmen könnten den Anschluss verpassen
Accenture AI Progress Barometer: Europäische Unternehmen haben ihre KI-Readiness in den vergangenen sechs Monaten verbessert, dennoch liegen nordamerikanische Firmen liegen weiter vorne.
Deutschland tritt bei KI auf der Stelle.
Kronberg i. Ts., 30.06.2026 – Europas größte Unternehmen zeigen erste Anzeichen, die KI-Lücke gegenüber Nordamerika zu verringern. Gleichzeitig droht die wachsende Diskrepanz zwischen großen und kleineren Unternehmen den europäischen Fortschritt gleich wieder auszubremsen. Deutsche Firmen treten auf der Stelle. Das zeigt die erste Ausgabe des Accenture AI Progress Barometer.
KI-Readiness beschreibt die zentralen Fähigkeiten, die Unternehmen benötigen, um den größtmöglichen Nutzen aus dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu ziehen. Dazu zählen insbesondere qualitativ hochwertige und leicht zugängliche Daten, qualifizierte Mitarbeitenden sowie geeignete Prozesse.
Das Accenture AI Progress Barometer misst halbjährlich, wie sich die KI-Readiness von rund 3.000 der weltweit größten Unternehmen entwickelt. Dabei wird jede Organisation branchen- und regionsübergreifend an vergleichbaren Unternehmen gemessen. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 0 bis 100. Dabei stellt 100 den maximal erreichbaren Wert dar und kennzeichnet die höchste KI-Readiness.
Laut Barometer haben europäische Unternehmen ihre KI-Fähigkeiten in den vergangenen sechs Monaten um durchschnittlich 1,6 Punkte gesteigert. Dem gegenüber stehen 1,1 Punkte in Nordamerika. Ob sich diese Tendenz fortsetzt, werden die nächsten Ausgaben des Barometers zeigen. Insgesamt liegen nordamerikanische Unternehmen weiterhin vorne: Sie erreichen im Durchschnitt 48,9 von 100 Punkten, während europäische Unternehmen auf 43,1 Punkte kommen.
Die Daten zeigen zudem eine wachsende Kluft innerhalb Europas. Große europäische Unternehmen (mit einem Jahresumsatz von über 10 Milliarden US-Dollar) liegen mit 47,4 Punkten nur noch 2,1 Punkte hinter ihren nordamerikanischen Pendants (49,5 Punkte). Kleinere europäische Unternehmen (Jahresumsatz über 500 Millionen US-Dollar) hingegen hinken vergleichbaren nordamerikanischen Firmen mit einer Differenz von 7,6 Punkten (40,5 vs. 48,1) deutlich hinterher. Dieser ausgeprägte „Long Tail“ könnte die Wettbewerbsfähigkeit Europas langfristig belasten.
Insgesamt ist diese Lücke in Europa deutlich größer als in Nordamerika. Das weist auf das Risiko hin, dass insbesondere kleinere Unternehmen den Anschluss an die nächste Welle von KI-getriebenem Wachstum und Produktivitätssteigerungen verlieren könnten, wenn sie ihre Investitionen in die notwendigen Fähigkeiten zur Skalierung von KI nicht beschleunigen.Mauro Macchi, CEO für Europa, den Nahen Osten und Afrika bei Accenture, sagt:
„Europa gewinnt beim Thema KI sichtbar an Dynamik – vor allem getrieben von den größten Unternehmen. Diese haben erkannt, dass KI nur dann schnell und umfassend Mehrwert schafft, wenn die Technologie mit einer ganzheitlichen Transformation des Unternehmens einhergeht, statt lediglich punktuell implementiert zu werden. Dazu gehören die Anpassung von Operating-Modellen, die Neugestaltung von Arbeitsprozessen, der Ausbau von Daten- und Technologiegrundlagen sowie – ganz entscheidend – eine starke Einbindung der Führungsebene und ein wirksames Governance- und Change-Management. Wie schnell Unternehmen in die Umsetzung kommen, wird über die künftige Wettbewerbsfähigkeit Europas entscheiden.“
Das Tempo der Entwicklung unterscheidet sich zudem deutlich zwischen Ländern und Branchen. Unternehmen in Frankreich (+5 auf 43,1), im Vereinigten Königreich (+4,8 auf 44,5) und in Spanien (+4,6 auf 39,9) verzeichnen die stärksten Fortschritte bei der KI-Readiness.
Während Europa zur KI-Aufholjagd angesetzt hat, droht Deutschland weiter abgehängt zu werden. Deutsche Firmen treten den Zahlen nach tendenziell weiter auf der Stelle und konnten sich mit 41,2 Punkten nicht verbessern – vor allem im für den Wirtschaftsstandort so wichtigen Mittelstand. Die Studie macht deutlich: Wer jetzt über Pilotprojekte hinausgeht und KI konsequent in Geschäftsmodell, Prozesse und Organisation verankert, entscheidet nicht nur über die eigene KI-Readiness, sondern mit darüber, wie wettbewerbsfähig der Wirtschaftsstandort Deutschland in der nächsten Dekade sein wird.
In 10 der 18 untersuchten Branchen ist die KI-Readiness insgesamt gestiegen. Besonders stark zulegen konnten Unternehmen aus der
- Versicherungsbranche (+8 auf 48,6),
- Reisebranche (+5,7 auf 46,7) und
- Konsumgüterindustrie (+5,2 auf 43,7).
Versicherungen führen das Branchenranking an,nicht zuletzt aufgrund erheblicher Fortschritte bei der Transformation von Prozessen und der Modernisierung ihrer Datenbasis.
Tobias Regenfuß, verantwortlich für den Bereich „Digital Core“ - Cloud-Plattformen, Daten und KI bei Accenture in Zentral- und Osteuropa, ergänzt:
„Die Ergebnisse zeigen einen klaren Übergang von der Experimentierphase zur Umsetzung im größeren Maßstab. Immer mehr europäische Unternehmen nutzen KI, um ihre Geschäftsprozesse grundlegend neu zu gestalten. Versicherer etwa setzen KI nicht nur als Turbo in bestehenden Prozessabläufen ein, sondern gestalten diese vollständig neu – auf der Basis von agentischer KI: Standardisierte Schadensfälle können von der Bewertung bis zur Auszahlung automatisiert werden, während komplexe Fälle gezielt an Fachkräfte weitergeleitet werden. Voraussetzung dafür sind saubere, integrierte und zugängliche Daten sowie eine entsprechend qualifizierte Belegschaft.“.“
Über das AI Progress Barometer
Das Accenture AI Progress Barometer erfasst, wie Unternehmen ihre Fähigkeiten zur Skalierung von KI ausbauen und den dadurch entstehenden Mehrwert realisieren. Die Datenerhebung erfolgt halbjährlich, um Fortschritte messbar zu machen. Der Fokus liegt dabei auf Veränderungen im Laufe der Zeit. Insgesamt werden rund 3.000 der weltweit größten Unternehmen analysiert.
Die Ergebnisse werden nach Regionen und Branchen aggregiert, um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Die erste Ausgabe nutzt das zweite Halbjahr 2025 als Ausgangsbasis und zeigt die Entwicklung bis zum ersten Halbjahr 2026. Veränderungen im Score spiegeln wider, wie sich Unternehmen im Vergleich zu ihren globalen Wettbewerbern im Ranking bewegen.
Die Bewertung basiert auf vier zentralen Dimensionen:
- Strategische Ausrichtung: Fokus auf KI, Responsible AI und Investitionspläne
- Technologische Basis: Reifegrad in den Bereichen Cybersecurity, Cloud und Daten sowie F&E-Partnerschaften
- Mitarbeitende & Kompetenzen: Upskilling, Führung, Workforce-Anpassung und KI-Stellenprofile
- Prozess-Transformation: Neugestaltung von Geschäftsprozessen mit KI und Einsatz von KI-Agenten
Das Barometer kombiniert Daten aus zwei proprietären Accenture-Erhebungen: dem AI Index (externe Bewertung der Skalierungsfähigkeit von Unternehmen) und Pulse of Change (mehrmals jährlich durchgeführte CXO-Befragung).
Über Accenture
Accenture unterstützt weltweit führende Organisationen dabei, einen digitalen Geschäftskern aufzubauen und Mehrwert durch Künstliche Intelligenz auf allen Ebenen zu schaffen. Wir verstehen uns als Transformationspartner der Wahl für unsere Kunden, wollen eine führende Rolle bei der sicheren und breiten Einführung von KI einnehmen und verfolgen den Anspruch, weltweit der Arbeitgeber mit der höchsten Kundenorientierung und KI-Expertise zu sein. Wir bündeln das fundierte Prozesswissen und die tiefgehende Industriekenntnis unserer rund 799.000 Mitarbeitenden mit eigenen Ressourcen und Plattformen sowie starken Partnerschaften innerhalb unseres Ökosystems. So liefern wir ganzheitliche Lösungen und messbare Ergebnisse im großen Maßstab. Unsere Kompetenzen bilden wir übergreifend über mehrere Reinvention Services ab: Cybersecurity, Digital Core, Finance, Industry & Enterprise, Song, Supply Chain & Engineering und Talent, mit ausgewiesener Leistungsstärke in den Bereichen AI & Data, Industry & Process und Technology. Wir betreuen rund 9.000 Kunden und erzielten im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von rund 70 Milliarden US-Dollar. Besuchen Sie uns auf accenture.com.
Kontakt
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Accenture
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